Zürich atmet auf

Langsam wird es klar, dass Familien nicht in Silos aufgestapelt werden wollen, dass die Wohnquadratmeter im Inneren allein nicht genügen und dass Wohnen ein Zusammenhang von Innen und Aussen ist. Es beginnt im Quartier, geht in die Nachbarschaft über und dann vom Wohnumfeld zur eigentlichen Wohnung. Das ist ein Kontinuum, das selbst in jedem Elendsquartier dieser Welt gegeben ist. Künstlich und entfremdet wird das Leben erst, wenn es durch die Höhe zerrissen wird. Eine ganze Zivilisation kann durch falsch angewendete Verdichtungsforderung eingelullt werden und diesen Nebel als schicksalshaft hinnehmen. Diese Spirale nach unten in eine tiefe Zivilisationsstufe ist durch die Abstimmungsmehrheit von 63.5 % gebrochen worden – ein schönes Zeichen für die Vitalität der Bevölkerung. Wir lassen uns diese Verdichtungsmär nicht mehr erzählen. Wir wissen jetzt, dass lebenswertes Stadtgewebe genau so dicht, sogar noch dichter sein kann als isoliert dastehende Wohntürme.

Klar geworden sind auch die Kräfte, die uns immer in ungünstige Richtungen, weg vom guten Leben, zwingen wollten. Das ist nicht nur ein Teil des Stadtrats von Zürich (hauptsächlich Alt-Stadtrat Odermatt), und das hat sich erst spät gezeigt: auch die BSA-Architekten, die sich fast alle für Silowohnen in Familienquartieren einsetzten. Es ist schwer zu ertragen, dass Architekten nicht unsere Freunde in der Gestaltung des Lebensraums sind. 

Wir haben durch die Abstimmung einen allgemein verbreiteten Grundstock von Erkenntnis durchgesetzt, was gutes Leben in Wohnquartieren ausmacht. 

Historische Wende – Zürich atmet auf

Das Abstimmungsrat hat völlig verblüfft. Trotz Hochhaus-Hetze auf allen Kanälen: 62.6% JA für die Vorlage des Gemeinderats. Das ist im schwierigen Gebiet des Städtebaus ein eindeutiges Resultat. Dass Alt-Stadtrat Odermatt, der seine Verhochhäuselung auch noch in die familienreichen Aussenquartiere hineintreiben wollte, eine so klare Abfuhr erlitt, macht den Volkswillen noch deutlicher.

Der Weg ist jetzt frei für gute neue Siedlungen in Affoltern, Oerlikon, Schwamendingen, Altstetten und Albisrieden. «zurivitruv» hat kürzlich vier ausserordentlich lebenswerte Muster nur schon in Affoltern gezeigt. Wir dürfen jetzt neue Projekte erwarten, die diese Spur in den Aussenquartieren wieder aufleben lassen. Endlich kann Zürich zu einer menschenfreundlichen Wohnbaukultur finden. 

  • Familien und Kinder sind vor dem Silodasein gerettet!     –

Quadratkilometer sind über Nacht von orange zu grün übergegangen. Wertvolles Stadtgewebe kann sich entwickeln. Die Gefahr von isolierten und isolierenden Türmen ist gebannt. 

Zürich ist reif, für eine neue Ausrichtung. Wir dürfen hoffen, dass damit auch eine neue Atmosphäre einzieht und dass der alte Stadtrat einem wirklich neuen Stadtrat Raum zur Verwirklichung gibt.

Silowohnen analysiert

Silowohnen ist Gegenstand der Abstimmung vom kommenden Sonntag. 

Silowohnen wird von Architekten des BSA Sektion Zürich und den Parteien FDP, GLP und Mitte portiert. 

Das ist gefährlich genug, denn es geht um Quadratkilometer falscher Wohnform für die kinderreichen Quartiere der Stadtzürcher Peripherie. 

Darum kommt hier die bebilderte Analyse des Silowohnens – des Wohnens in der Höhe am Lift – ohne direkten Kontakt zum Boden, zum Umfeld des Hauses und zum Quartier. Das wird zuerst durch das obere Bild karikiert, das das letzte Posting von Manhattan fortsetzt: Die Mutter beobachtet am TV ihr weit unten ausser Kontrolle spielende Kind. Der Lautsprecher als verzweifelter Lösungsversuch ist uns schon bekannt. 

Im unteren Bild erkennen wir gelb eingefärbt die vier Etagen, die noch Bodenbezug haben und den freien Auslauf von Kindern ermöglichen. Mit der zunehmenden Bodenferne wechselt die Farbe über Dunkelrot zu Violet als Zustand der kompletten Isoliertheit. Für das Familienleben in den Aussenquartieren, um die es in der Abstimmung geht, ist diese Höhenzonierung der Gebäude grundlegend. Sie zeigt uns an, wo in den Gebäuden Wohnwerte geschaffen werden und wo nur noch anonyme Stapelung stattfindet.

Die Abstimmungsempfehlung links im Bild zeigt, wie wir die quadratkilomergrosse Vermehrung von Hochhauszonen verhindern können.

Silowohnen generiert Problemkinder

Der Hochhausfeldzug in den ausgesprochenen Familienquartieren von Zürich legt Ignoranz und verborgene Interessen der Protagonisten frei: das Hochhaushonorar der BSA-Architekten, Hochhausplacements der Immobilienbranche (FDP), unhinterfragtes pseudomodernes Getue (GLP). Die neu zu schaffenden Quadratkilometer von Hochhausgebieten – die Wohnsilo-Cities – sind kein geeigneter Ort für Familien und Kinder. Der Wohnsilo generiert bekanntlich Problemkinder.

Gehen wir zurück zu New York 1974: Oscar Newman untersuchte Lebensumstände in Manhattans Nachkriegsbauten. Er verglich die Baumuster Brownsville (6 Etagen) und Van Dyke (14 Etagen). Brownsville weist in 1 Block auf 3 Treppenhäusern verteilt je 12, 18 und 12 Wohnungen pro Hauseingang auf. Van Dyke 112. Brownsvilles Anonymität ist in Grenzen, die von Van Dyke ausserhalb. Ein anderes Kriterium ist die Erreichbarkeit des Frei- und Spielraumes für Kinder. Bis zu 4 Etagen ist das gegeben; bei Van Dyke jenseits. Die Wohnungen sind für aufwachsende Kinder vom Boden gelöste Gefängnisse. Um der Bewegungs- und Kontaktarmut zu begegnen, wurde der bald gescheiterte Versuch unternommen, die Verbindung zwischen Mutter und Kind mit einer TV-Kamera zu bewältigen: Die angstvolle Mutter im 13. Stock am TV und das einsame Kind unten auf dem Rasen. Geht das Kind eigene Wege, musste es ein Gebrüll aus dem Lautsprecher gewärtigen.

Es ist fast rührend, zu beobachten, wie Menschen Fehler aus Nichtwissen bauen und dann zu korrigieren versuchen. Unentschuldbar ist aber, wenn Menschen ein ¾ Jahrhundert später diese lebenswichtigen Erkenntnisse beiseiteschieben. Auch alle gescheiterten Wohnexperimente in Hochhäusern in Europa haben uns längst gezeigt, dass sich schlechte Behandlung wie ein eisernes Gesetzt rächt.

Folglich, wer Zürich retten will: JA zur gemeinderätlichen Vorlage, NEIN zu der des Stadtrats und bei der Stichfrage: Vorlage Gemeinderat.

Quadratkilometer Silowohnen in kinderreichen Aussenquartieren abwenden

Alle Siedlungen, die letzthin beschrieben wurden, sind ein Reich für Kinder; ein Lebensraum, der ihre Entwicklung begünstigt. Die Beziehung Eltern – Kind wird darin gekonnt behaust. Das kann das Hochhaus nicht, denn ab dem 3. Stock (= 4.Etage) reisst der Faden. Die Distanz wird zu gross und der Lift schnürt die Verbindung ab. 

Zürich hatte bisher das Glück, diese Qualitäten in seinen Aussenquartieren anbieten zu können. Expats, Paare und Singels wohnen woanders. Unsere Demokratie braucht für ihren erfolgreichen Weiterbestand solche Siedlungen mit intensivem Umgebungsbezug. Die Diktaturen des ehemaligen Ostblocks scherten sich darum. Seelisch und körperlich gestählt können unsere nächsten Generationen heranwachsen.

Diesem zivilisatorischen Glück stellt sich eine Phalanx von FDP, GLP, (Mitte-Partei) einerseits entgegen und anderseits der bei den letzten Wahlen ausgeschiedene für Zürich wenig glückliche Stadtrat Odermatt. Warum auch die BSA-Architekten den Pfad der Zivilisation verlassen haben? Ist es das eiskalte Geschäft mit dem Hochhaus, das deutlich mehr kostet und deshalb am Ende unbezahlbar ist? Überwindet Zürich diese Phalanx der Hartherzigkeit, schauen wir guten Zeiten entgegnen. Massvolle Verdichtung kann dann in menschenfreundlicher Form geschehen – weitere Siedlungen können qualitätvollen Lebensraum schaffen. Wie wir gesehen haben, sind die Talente vorhanden.  

Schon im letzten Jahrhundert begann engagierte Architekten, lebenswerte Quartiere zu schaffen. Hier A.D.P. Architektur mit den bezahlbaren Wohnhäusern «In Böden» 1995 ebenfalls in Affoltern. Nach Jahrzehnten fantasielosen Zeilenbaus entstanden neue Muster: Der Anfang von was wir im Quartier Affoltern schon gesehen haben – und was bei Annahme der «Vorlage Gemeinderat» fortgesetzt werden könnte.

Hervorragender Zürcher Siedlungsbau

Weil das Wohnquartier Affoltern auf dem abgelegenen Nordwestzipfel der Stadt liegt, geht unter, dass sich hier hervorragender Siedlungsbau aus jüngerer Zeit ereignet hat. Nach «Schmetterling» und «Klee» der letzten Postings kommt hier eine dritte Siedlung zu Wort & Bild. 2012 ist die erstaunlich wohnliche und vor Leben sprühende «Wohnsiedlung Affoltern» fertiggestellt worden. Bauherrin ist die Baugenossenschaft Frohheim und die Architekten sind Müller Sigrist und EM2N. Dass es zum Gesamtkunstwerk aus Leben, Gebäuden und Farbe gekommen ist, dazu trägt der Farbgestalter Jörg Niederberger bei. 

«zuerivitruv» war gestern dort und beobachtete eine Stunde – begeistert kehrt er zurück und meldet: «Zürich hat im Nordwesten vorbildliche Wohnsiedlungen». Höchste Zeit, dass sie im Abstimmungskampf, mit dem diesem und anderen Aussenquartieren die Verhochhäuselung droht, in den Fokus genommen werden. Engagierte Bauherren und Architekten können ausgezeichnete Bedingungen für Familien und Kinder der nächsten Generationen schaffen. Dafür steht der Vorschlag des Gemeinderats auf dem Abstimmungszettel. Sollte er keine Mehrheit finden, droht diesen ausgezeichneten Lebensräumen das anonyme, lebensfeindliche Silodasein in Hochhäusern.

Was Siedlungsbau kann, wird hier gezeigt: Identität und Heimat stiften und Raumgeborgenheit in der Siedlungsstruktur. Der Schlüssel zu allem: Siedlungskonzepte fangen unten an – sie entwickeln sich vom Boden her. Englisch: «common ground».

Es droht massenhaft Silowohnen

Unsere Gedanken kreisen um die drohenden quadratkilometergrossen Erweiterungen der Hochhausgebiete in den Zürcher Aussenquartieren. Die Drohung ist real: Der FDP geht es – Mensch, Familie, Kind – hin oder her, um Investition in Hochhäuser. Warum die GLP mitzieht, bleibt offen, warum auch die Mitte, eher schleierhaft. Die Intensität der «Hochhäusler» in den Medien nimmt zu, die BSA-Architekten haben sich ebenfalls aufs Hochhaus versteift. Auch deren humanistischer Gesinnte kippen und treten in den Medienstrom ein. Der berühmteste von ihnen – Vittorio Magnago Lampugnani – tritt jedoch für die europäische Stadt ein und sagt «Die Stadt braucht das Hochhaus nicht». Er hat mit seinem Büro den gebauten Tatbeweis erbracht: die Blockrandsiedlung auf dem Richti-Areal in Wallisellen – beschrieben in den Postings vom 18. Und 29. Mai 2026.

Wenn es in Zürich typische Familiengebiete gibt, dann hier in der Peripherie. Zürich ist wegen den 2001 zu gross angelegten Hochhausgebieten bereits genügend planlos verhochhäuselt worden. Alt-Stadtrat André Odermatt will diese Chaospolitik, die überall alles erlaubte, jetzt auch in die Peripherie tragen. Und dort trifft er den Lebensnerv von ausgesprochenen Familienquartieren. Er und die Mehrheit der BSA-Architekten scheinen noch nicht realisiert zu haben, dass die Aussenquartiere eine andere Qualität haben und auch eine andere Rolle in der Stadt übernehmen. Die viel gelobte «Diversity» spielt plötzlich keine Rolle mehr – überall soll respektlos und querfeldein verhochhäuselt werden. Soll ein abgegangener in städtebaulicher Hinsicht weinig erfolgreicher Stadtrat die Geschicke unserer nächsten Generation beeinträchtigen? deren Kinder ohne Umgebungskontakt in die Höhe kasernieren? 

Wer das Unglück verhindern will stimmt JA für die Vorlage Gemeinderat (ohne diese peripheren Hochhausgebiete) und NEIN gegen die Vorlage Stadtrat und bei der Stichfrage: «Vorlage Gemeinderat». 

Siedlung Klee in Affoltern

Ebenfalls im Stadtquartier Affoltern sehen wir die ganz anders geartete Grosssiedlung «Klee» und damit die mögliche Vielfalt von Bebauungsmustern: Die sieben Schmetterlinge – wie im letzten Posting gezeigt – legen sich über eine gemeinsame Geländekante, die Siedlung «Klee» breitet sich in der Ebene aus. Der Name kommt vom Kleeblatt, das einen simplen Blockrand mit Ein- und Ausbuchtungen undulieren lässt. Der Innenhof wird dadurch in mehrere Buchten gegliedert. Aus einem für den menschlichen Massstab zu grossen und langweiligen Hof werden kleinere verschieden nutzbare Bereiche. Den einspringenden Ecken entsprechen drei überhohe Zugänge. Die Grossform generiert als Gegenstück auch im Äusseren drei Buchten, die auf ihre Art nutzbar sind. Das ist, was Architektur im Siedlungsbau leisten kann, wenn sie engagiert ist.

Die Architekten Knapkiewicz & Fickert bauten die Siedlung Klee 2014 für die Gemeinnützige Bau- und Mietergenossenschaft sowie die Baugenossenschaft Hagenbrünneli. Wenn sich die Richtigen zusammentun, entsteht mit 340 Wohnungen nicht nur Grosses, sondern auch gute Gestaltung im menschlichen Massstab. 

Kommt im Gegensatz dazu eine Swiss Life, wie in Leutschenbach, wird ein Hochhaus neben die Mustersiedlung «Mehr als Wohnen» gepflanzt und Kinder müssen ein isoliertes und wenig glückliches Hors-Sol-Leben fristen.

Die eingangs beschriebene Qualität und Varietät ist mit so viel Bodenbezug und Geborgenheit der Bewohner und ihrer Kinder im Hochhaus nicht zu haben. Darum ist es wichtig, in den Quadratkilometern der Aussenquartiere die Möglichkeit für solche wertvolle Baumuster auch für die Zukunft zu sichern und den Einzug von Wohnsilos zu verhindern. Diese Perspektive sah auch der Gemeinderat. Deshalb rechts nochmals die Abstimmungsempfehlung für den 27. September.