«Bausubstanz & Leben im Gleichschritt» – das übernehmen wir vom letzten Posting. «Paris-Haussmann» hat diesen Zusammenhang vor 170 Jahren in Stein formuliert. Monet, Manet, Pissarro und Caillebotte haben ihn abgebildet. Mit geschickt platziertem Dekor suchen die Fassaden das Gespräch. Eine Haussmann-Fassade wird nicht abgebrochen, denn dieses Niveau und diese Ambiance ist kaum mehr erreichbar. Das ist keine Vergangenheitsschwärmerei: Die Leistung der Stadt Paris besteht darin, den grossen Schatz – diese enorme Volonté Générale – auch in unserer Zeit in Blüte zu halten.
«Wir» in Zürich haben parzelliert und gebaut: das Strassennetz perfekt und die Häuser in hoher Bauqualität. Die neuen Strassenachsen wurden an Kreuzungen in einem Punkt zusammengeführt, den man in den Ingenieurplänen jeweils mit «Platz» beschriftete. Doch es war allzu oft kein gestalteter Stadtraum, der Stimmung aufkommen liess. Es blieb beim geometrischen Schnittpunkt. Darum erlangte die Dimension von «Haus und seine Strasse» eher selten die volle Reife.
Was schöpfen wir daraus?: Zürich soll dichter werden. Dieser Prozess kann – bei professioneller Lenkung in der neuen Legislatur – zu einem besseren und schöneren Zürich führen. Dann machen wir nicht nur Dienst nach Vorschrift, sondern wir machen aus den vielen neuen Anforderungen ein Gesamtkunstwerk. Die Formulierung von Weg und Ziel und den neuen Geist erwarten wir von der Stadt. Das wäre dann – nach Jahrzehnten der Passivität – der lange erwartete aktive Städtebau.